Extensive Beweidungsprojekte


Ganze Landschaften mit einer vergleichsweise geringen Tierzahl dauerhaft zu beweiden, das entspricht wohl am ehesten den natürlichen, ursprünglichen Gegebenheiten für große Teile der Landschaft. Rothirsch, Reh, Elch, Wisent, Auerochse und das Wildpferd – sie alle haben früher weit stärker als wir es heute gewohnt sind ihre Umwelt mitgestaltet und durch Fraß, Tritt, Staub- und Schlammbäder und sonstige Aktivitäten beeinflusst.

Seit vielen Jahren entstehen aus dieser Erkenntnis heraus europaweit extensive Dauerbeweidungsprojekte auf unterschiedlichsten Standorten. Vorreiter sind dabei in Europa die Niederlande, die riesige Flächen in diesem Sinne zur Verfügung stellen: Oostvaardersplassen (5.600 Hektar) oder der Nationalpark Hoge de Veluwe (5.400 Hektar), eine riesige Sandlandschaft, sind dafür eindrucksvolle Beispiele.

Naturschutzfachlich stellen Beweidungsprojekte eine wichtige konzeptionelle Ergänzung zu Pflegeflächen in der Kulturlandschaftspflege einerseits und z. B. Naturwaldzellen andererseits dar. Insbesondere anspruchsvollere Wiesenvögel und Arten, die an große Weidetiere gebunden sind, können erheblich profitieren.

Gerade in schwierigen Geländesituationen, in denen Maschinen versagen, können sie eine kostengünstige Art des Naturschutzes sein, da im besten Falle die Tiere die "Pflegearbeiten" voll übernehmen. Beweidungsprojekte sind daher ideal für Flussauen, wenn diese freigehalten und nicht zu Auenwald werden sollen.

In Deutschland gibt es ähnliche, jedoch meist um Dimensionen kleinere Projekte, etwa in der Döberitzer Heide (1.860 Hektar), bei den Rieselfeldern in Münster, an der Elbe (Burg Lenzen, Deichrückverlegung, 80 Hektar) und an der Lippeaue (79 bzw. 55 Hektar) sowie an vielen anderen Orten, bis zur 8 Hektar großen Ziegeninsel in Bremen.

Im näheren Umfeld gehen die Beweidungsprojekte in der Wahner Heide noch am ehesten in diese Richtung. Dort weiden u.a. Wasserbüffel, Esel und Glanrinder.

Die Bandbreite der Projekte zeigt, dass sie sich nicht nur hinsichtlich der Tierarten, Anzahl der Tiere und Flächengröße erheblich unterscheiden, sondern auch in der Intensität der Tierbetreuung. Großflächige Beweidungsprojekte setzen in der Regel stark auf natürliche Auslesemechanismen während in kleinen Projekten die Tiere individuell betreut werden und die Tierhalter bei Krankheit und Futtermangel eingreifen.

Wichtige Basis der Dauerweideprojekte ist der möglichst ganzjährige Aufenthalt der Tiere, da sie vor allem im Winter die naturschutzfachlich wünschenswerten Pflegeleistungen erbringen und in die Gehölzsukzession eingreifen.